Sollten Anfänger Aktien kaufen?

11. Oktober 2015

2 Kommentare

Der Finanzdschungel kann schon ganz schön verwirrend sein. Die Meinungen zum Thema Aktien reichen ungefähr von „Teufelszeug“ über „alternativlos“ bis „Allheilmittel“. Ich kenne Menschen die verteufeln Aktien als Zockerinstrument oder sehen in jedem noch so kleinen Privatanleger den Schuldigen für die Lehmann-Pleite und die Probleme in Griechenland. Glaubt man hingegen der aktuellen Finanzpresse, so hat die Dividende die Zinsen auf dem Sparbuch längst abgelöst. Häufig lautet der Tenor, dass es nichts Besseres und Sicheres als solide Dividendenaktien gibt.

Sicher liege ich mit meiner Meinung näher an der Finanzpresse, dennoch halte ich beide Aussagen für reichlich undifferenziert. Das Ziel dieses Beitrags soll es sein, einmal die Scheuklappen abzulegen, das Schubladendenken zu überwinden und die verschiedenen Argumente für und gegen Aktien einmal aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten.

Sollten Anfänger Aktien kaufen?

Was sind Aktien?

Ich denke die meisten meiner Leser wissen mittlerweile, was Aktien sind. Trotzdem möchte ich dich, falls du blutiger Anfänger oder nicht so häufig auf smart-reich-werden unterwegs bist, an dieser Stelle abholen. Ich denke es ist wichtig, sich den genauen Sinn und Zweck von Aktien noch einmal vor Augen zu führen, um die Thematik zu erfassen.

Kurz gesagt sind Aktien Anteile an Unternehmen. Wer eine Aktie hält, dem gehört ein kleiner Anteil an einer Firma. Als Eigentümer hat man, verbunden mit der Aktie, einige Rechte. Als wichtigstes Recht ist z.B. der Anspruch auf einen gewissen Anteil des Bilanzgewinns zu nennen. Wird also eine Dividende, also ein Teil des Gewinns, ausgeschüttet, erhält ein Aktionär pro Aktie einen auf der Hauptversammlung festgelegten Geldbetrag gutgeschrieben. Als weiteres Recht ist an dieser Stelle das Mitbestimmungsrecht genannt. Jeder Aktionär hat das Recht auf der jährlichen Hauptversammlung seine Stimme zu bestimmten Fragestellungen abzugeben und somit die Fahrtrichtung des Unternehmens mit zu definieren. Kein Recht hat ein Aktionär hingegen auf eine direkte Einmischung im Unternehmen. Da ein Aktionär lediglich Eigentümer und kein Mitarbeiter des Unternehmens ist, kann er keine Entscheidungen zum operativen Geschäft treffen. Es können z.B. keine Mitarbeiter entlassen werden oder über Betriebsvermögen verfügt werden.

Die Vorstellung, dass ein Aktionär in eine Filiale eines Fast-Food-Restaurants kommt, zwei Mitarbeiter entlässt, sich noch drei Burger als „Barentnahme“ mitnimmt und dieses Vorgehen mit seiner Eigenschaft als Aktionär begründet ist in der Tat ein wenig seltsam. Dies bringt mich aber zu meinem zweiten Punkt:

Wie bereits geschrieben sind Aktien Anteile an Unternehmen. Ich finde es aber wichtig, sich vor Augen zu halten, dass dies zum einen riesige Unternehmen wie Volkswagen, Coca Cola oder Nestlé sein können. Dem gegenüber stehen aber auch winzige Aktiengesellschaften mit nur einer Hand voll Mitarbeitern wo eben der Geschäftsführer auch selbst der größte Anteilseigner ist.  Er kann somit als Aktionär und Vorstandsvorsitzender die oben genannten Punkte durchaus in einem gewissen Rahmen durchführen.

Und genau an dieser Stelle ist der springende Punkt: Aktie ist eben nicht gleich Aktie. Ich denke jeder Aktien Anfänger sieht den Unterschied zwischen einem Anteil eines milliardenschweren Großkonzerns wie Coca Cola und einer sehr kleinen, regionalen, (ich übertreibe!) Kneipe. Aktie ist eben nicht immer gleich Aktie.

Auch Anfänger sollten Aktien kaufen!

Es gibt wohl eine ganze Menge Argumente, ich möchte an dieser Stelle nur die sieben (in meinen Augen) gewichtigsten Gründe nennen:

Rendite

Die langfristige Rendite von Aktieninvestments, bezogen auf den weltweiten Aktienmarkt, liegt bei etwa 8% bis 11%. Ist das nicht schon Grund genug? Natürlich ist diese Rendite nicht risikolos. Aktien schwanken im Wert und können zwischenzeitlich immer wieder an Wert verlieren. Langfristig zeigt der Aktienmarkt jedoch nach oben. Jeder der sich also ernsthaft mit dem Thema Vermögensaufbau befasst, kommt allein schon aus diesem Grund kaum am Kauf von Aktien vorbei, das gilt auch für Aktien Anfänger.

Diversifikation

Dadurch, dass eine Aktie eines Unternehmens meist nur wenige Euros kostet, ist es einfach, Aktien von verschiedenen Unternehmen zu kaufen. Im Gegensatz zu Immobilien steckt das Geld nicht in einem oder nur wenigen verschiedenen Objekten.

Beteiligung an der Wirtschaft

Gerade bei langfristigen Investments kommt der Beteiligung an der weltweiten Wirtschaft eine besondere Rolle. Der Eigentümer identifiziert sich mit dem Unternehmen und ist an der realen Wertschöpfung im Unternehmen beteiligt.

Inflationssicher

Die meisten Unternehmen stellen Produkte her oder erbringen eine Dienstleistung. Mit der Inflation können aber auch die Preise mehr oder weniger regelmäßig an das momentan herrschende Preisniveau angepasst werden. Mit der Inflation steigen dementsprechend auch die Umsätze und Gewinne und kompensieren diesen Wertverfall mittelfristig.

Aktien sind Sachwerte

Geld ist ein versprechen, Geld kann wertlos werden. Jede Form von Bankeinlagen oder Bargeld ist dadurch gefährdet. Ich möchte hier keine Angst schüren, so kritisch sehe ich das alles nicht. Wie oben aber schon angedeutet, ist Geld schutzlos der Inflation ausgeliefert. Darüber hinaus ist Geld immer nur so viel Wert wie jemand anderes einem dafür geben möchte. Genießt eine Währung kein Vertrauen mehr, wird sie wertlos. Anders bei Aktien, in erster Linie steht hinter einer Aktie ein Unternehmen welches einen Wert erbringt. Natürlich wird dies auch tagtäglich an der Börse in verschiedenen Währungen bewertet. Hierbei ist es aber egal wie die Währung lautet, ein Unternehmen lässt sich in Euro, Dollar, Yen oder eben auch in Zigaretten, Alkohol oder eben Gummibärchen bewerten 😉

Liquidität

Anteile an großen Unternehmen werden sekündlich gehandelt. Innerhalb von einer Minute könnte ich theoretisch (Teil-) Eigentümer von Apple, Volkswagen und Nestlé werden. Je nachdem wie schnell ich mich durch mein Online-Banking klicke schaffe ich es sogar die Werte in der gleichen Minute wieder zu verkaufen. Andere Investments sind da häufig sehr viel schwerfälliger wie z.B. Immobilien deren Kauf- und Verkauf sich über Wochen bis Monat strecken kann.

Unbegrenzte Gewinnmöglichkeit

Eine Aktie kann theoretisch wertlos werden, auf der anderen Seite kann eine Aktie auch viele 1000% steigen. Hierbei hilft der Zinseszinseffekt. Dies gilt sicherlich auch für andere Anlageformen. Immobilien können aber mehr als 100% verlieren. Andere Investments wie Sparbriefe oder Anleihen bei denen der Zinssatz zu Beginn definiert wird, haben hingegen nur ein begrenztes Gewinnpotential.

Welche Aktien eignen sich für Anfänger?

Ich denke mein Standpunkt hat sich bereits herauskristallisiert. Ich persönlich investiere größtenteils in große, internationale Unternehmen. Idealerweise haben diese Unternehmen einen „Burggraben“ der ihnen einen gewissen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz verschafft und produzieren Dinge, die konjunkturunabhängig sind.

Ein Beispiel für ein solches Unternehmen wären Windeln. Der Absatz von Windeln hängt nur sehr begrenzt von der Konjunktur ab, das ist schon einmal eine gute Ausgangssituation. Wenn wir weiterschauen, stellen wir fest, dass es aber eine ganze Menge von Windelproduzenten gibt. Hier würde ich auf den Marktführer setzen. Dies stellt aber ausdrücklich keine Anlageempfehlung dar, sondern soll einfach nur meine Herangehensweise verdeutlichen. Konsumgüter des täglichen Bedarfs mit einem Wettbewerbsvorteil. Nicht immer muss dieser Vorteil greifbar in Form eines objektiven, technischen Vorteils sein. Auch Markennamen haben eine große Macht.

Es gibt einige Markennamen, die schleichend den Produktnamen im Sprachgebrauch ersetzt oder ergänzt haben. Hier ein paar Beispiele, ausdrücklich keine Empfehlung:

Tempo – Taschentücher

iPad – Tablet (-computer)

Nivea – Gesichts- / Handcreme

Kärcher – Hochdruckreiniger

Ich denke es wird klar worauf ich hinaus will.

Ich investiere langfristig in großartige Unternehmen. Hier findest du meine Dividendenstrategie, bzw. die etwas detailliertere Darstellung meines Investmentansatzes.

Was für Alternativen gibt es zur (Einzel-) Aktie?

Zum einen gibt es natürlich Alternativen zur Börse, wie zum Beispiel P2P-Kredite in die du dein Geld investieren kannst. Diese möchte ich an dieser Stelle aber ausklammern. Hier geht es um die Alternative zum Kauf einer Einzelaktie.

Warum kann es Sinn machen, nicht direkt in einzelne Unternehmen zu investieren?

Auch hier können die Gründe zahlreich sein, das kann zum Beispiel das mangelnde Interesse sein, sich mit der Börsenthematik näher zu beschäftigen. Zeitmangel, einzelne Unternehmen zu analysieren und auszuwerten. Oder auch ein kleines Budget kann ein wichtiger Faktor sein. Ich versuche mindestens 2.000 Euro je Unternehmen zu investieren. Bei kleineren Anlagebeträgen macht es daher Sinn einen ganzen Korb von Anteilen zu kaufen, da sonst die Transaktionsgebühren zu hoch werden. Zum Beispiel über Fonds.

Über Fonds hast du die Möglichkeit in einen ganzen Aktienkorb zu investieren.

Es können zwei Arten von Fonds unterschieden werden, aktive und passive.

Aktive vs. passive Fonds

Der Unterschied liegt in der Auswahl der enthaltenen Unternehmen. Bei einem aktiven Fonds werden die Unternehmen durch eine Person (bzw. sein Team) analysiert und ausgewählt. Bei passiven Fonds, wie zum Beispiel ETFs, folgt die Auswahl der Aktien einem vorgegebenem Index, also eine automatische Auswahl der Unternehmen.

Wie wirkt sich diese Auswahl auf die Performance der beiden Fonds aus? während aktive Fonds besser oder schlechter als ein Vergleichsindex abschneiden können, je nach Auswahl der Werte. Können passive Fonds nur eine (nahezu) gleiche Performance wie der Index erreichen. Dies ist Fluch und Segen zugleich. Du kannst also nicht besser, aber auch nicht schlechter sein. Bei aktiven Fonds hingegen muss vorher der Fonds ausgewählt werden der am Ende oben steht. Doch woher willst du das wissen? Es gibt nur wenige Fonds die über Jahre hinweg besser als der Markt sind, diese im Vorhinein zu identifizieren ist fast unmöglich.

Ein weiterer Unterschied besteht in der Höhe der Kosten. Während aktive Fonds hohe Ausgaben für das Management und die der Aktienauswahl zur Grunde liegenden Analysen haben, entstehen bei ETFs sehr viel geringere Kosten. Dies liegt daran, dass die Aktien nicht mehr bewertet und ausgewählt, sondern nur noch Stur nach einem Schema verkauft und gekauft werden müssen.

In meinen Augen sind ETFs aus den oben genannten Gründen die bessere Alternative für Anfänger in Aktien zu investieren.

Wie kann ich in ETFs investieren

Nie war es für Privatanleger einfacher, in ETFs zu investieren.

Das Do It Yourself ETF-Depot

Du eröffnest zum Beispiel ein Depot bei einem Broker deines Vertrauens (ich nutze hierfür die comdirect* da viele Aktions-ETFs ohne Gebühren handelbar sind) und kaufst die von dir ausgewählten ETFs. Darüber hinaus bietet es sich an, einen ETF-Sparplan zu eröffnen. Mit einem Sparplan wird jeden Monat ein bestimmter Betrag in ausgewählte ETFs investiert. Wenn du monatlich sparen willst, erhöhst du damit kontinuierlich dein Vermögen. Für Anfänger bietet sich zum Beispiel das ETF-Weltportfolio an.

Dadurch, dass du alle Anlageentscheidungen alleine triffst und keine „Vermittler“ im Prozess eingeschaltet werden, ist diese Lösung wohl die kostengünstigste. Auf der Gegenseite erfordert es jedoch ein gewisses Grundwissen, Interesse und Engagement um dich mit deinen eigenen Finanzen auseinanderzusetzen.

Fazit:

Es gibt viele verschiedene Wege, um auch als Anfänger in Aktien zu investieren. Welcher Weg am Ende gewählt wird hängt sicherlich von der eigenen Motivation, Wissen und dem zu investierenden Anlagebetrag ab. Viel wichtiger ist es aber, dass überhaupt ein Weg gewählt wird. Durch die langfristige Wirkung des Zinseszinseffektes sollte auf jeden Fall ein Teil der persönlichen Geldanlage an der Börse investiert werden. Die Gründe warum habe ich oben ausführlich beschrieben. Ich wünsche dir viel Erfolg bei deiner Anlage.

Frage: Auf welchen Weg setzt du bei deiner Aktien-Anlage?

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Sehr guter übersichtlicher Artikel!
Ich seh das prinzipiell genau so wie du… Anfänger sollten so schnell wie möglich in Wertpapiere investieren (als Anfänger vorwiegend in ETFs). Ich geh sogar soweit, dass man die Barreserve sogar geringer als die üblichen drei Nettogehälter wählen sollte…
Ein anderer Punkt ist für Anfänger in meinen als das frühe Investieren noch viel wichtiger – nämlich eine hohe Sparquote und das Investieren in sein Humankapital und damit auch in seine berufliche Zukunft.
Denn diese zwei Faktoren beeinflussen v.a. in den ersten beiden Jahren dein Vermögen viel viel viel mehr als die Rendite, die man durch Aktien erzielt.

Aktien sind meiner Meinung nach die optimale Geldanlage, um mit dem Investieren anzufangen.

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